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Vorabpauschale ETF: Wann sie abgebucht wird

Von Kasra Nikbin  ·  07.10.2026  ·  7 Min. Lesezeit  ·  mit KI-Unterstützung erstellt

Die kurze Antwort: Die Vorabpauschale für das Jahr 2026 gilt am ersten Bankarbeitstag des Januars 2027 als zugeflossen. In der Praxis buchen die deutschen Depotbanken die Steuer darauf in den ersten Januartagen automatisch vom Verrechnungskonto ab. Du musst nichts beantragen, nichts ausfüllen, nichts überweisen. Du musst nur dafür sorgen, dass an diesen Tagen Geld auf dem Konto liegt.

Genau daran scheitert es jedes Jahr bei vielen. Die Vorabpauschale ist die einzige Steuer im ETF-Sparen, die anfällt, ohne dass du etwas verkauft oder ausgezahlt bekommen hast. Es gibt keinen Gewinn in der Hand, von dem sie abgehen könnte – deshalb holt sie die Bank vom Girokonto, das am Depot hängt. Wie ETF-Gewinne ansonsten besteuert werden, steht in ETF-Gewinne versteuern: ab wann das Finanzamt mitverdient.

Vorabpauschale ETF: Wann sie abgebucht wird

Was die Vorabpauschale überhaupt ist

Seit 2018 besteuert der Staat Fonds und ETFs jährlich, nicht erst beim Verkauf. Bei einem ausschüttenden Fonds ist das einfach: Es kommt Geld, davon geht Steuer ab. Bei einem thesaurierenden ETF kommt aber nie Geld – er legt die Erträge direkt wieder an. Damit solche ETFs nicht jahrzehntelang steuerfrei laufen, wird ein Mindestertrag unterstellt und besteuert. Dieser unterstellte Betrag ist die Vorabpauschale, geregelt in § 18 des Investmentsteuergesetzes.

Wichtig ist: Es ist keine zusätzliche Steuer, sondern eine vorgezogene. Jeder Euro, den du über die Jahre als Vorabpauschale zahlst, wird beim späteren Verkauf wieder abgezogen. Unter dem Strich zahlst du nicht mehr – du zahlst früher. Das kostet Zinseszins, aber keine Substanz, und du kannst nichts dagegen tun außer den Freibetrag zu nutzen.

Wann genau abgebucht wird – und von welchem Konto

Der Stichtag ist gesetzlich fest, die Ausführung hängt an der Bank. Was du dir merken musst:

Der letzte Punkt wird häufig falsch erzählt. Die Pauschale wird für jeden Monat berechnet, in dem du die Anteile gehalten hast; für Anteile, die du im Laufe des Jahres gekauft hast, wird der Basisertrag um ein Zwölftel je Vormonat gekürzt. Ein Sparplan, der im Juli startet, löst für 2026 also nur rund die Hälfte aus.

Wie hoch sie ausfällt: der Rechenweg in vier Schritten

Die Höhe hängt am Basiszins, den das Bundesfinanzministerium jedes Jahr anhand der Zinsstrukturdaten der Bundesbank festlegt. Für 2026 liegt er bei 3,20 Prozent (BMF-Schreiben vom 13. Januar 2026) – der höchste Wert seit Einführung der Regel. Je höher der Basiszins, desto höher die Vorabpauschale. Der Rechenweg:

Ein Rechenbeispiel mit 10.000 € in einem thesaurierenden Aktien-ETF, der 2026 deutlich im Plus lag: Basisertrag 10.000 € × 2,24 % = 224 €. Keine Ausschüttung, also bleiben 224 €. Davon 30 Prozent Teilfreistellung – steuerpflichtig sind 156,80 €. Darauf 26,375 Prozent Steuer ergibt rund 41 €. Das ist die Größenordnung, um die es geht: etwa 40 € je 10.000 € Aktien-ETF-Bestand, wenn kein Freistellungsauftrag greift. Bei Anleihen-ETFs ohne Teilfreistellung sind es rund 59 € je 10.000 €.

Die Zahlen gelten für den Basiszins 2026. Weil er jedes Jahr neu festgelegt wird, lohnt es nicht, sie im Kopf zu behalten – die Formel aber schon. Rechne für die Faustregel einfach: Jahresanfangswert × 2,24 % × 0,7 × 26,375 % bei Aktien-ETFs.

Wie viel Geld solltest du für Januar bereitlegen?

Das ist die Frage, die in den meisten Erklärtexten fehlt, obwohl sie die einzige ist, die etwas von dir verlangt. Grobe Richtwerte für den Januar 2027, Aktien-ETF, kein Freibetrag mehr frei:

Wer noch Freibetrag frei hat, legt nichts bereit – dann passiert gar nichts. Wer unsicher ist, rundet nach oben: 50 € zu viel auf dem Verrechnungskonto kosten nichts, 50 € zu wenig können teuer werden.

Was passiert, wenn das Verrechnungskonto nicht gedeckt ist

Was passiert, wenn das Verrechnungskonto nicht gedeckt ist

Hier liegt der eigentliche Schaden, und er hat nichts mit Steuern zu tun. Die Bank muss die Steuer abführen, sie hat keine Wahl. Ist das Konto leer, greift sie – je nach Broker – zu einem von drei Wegen:

Welcher Weg greift, steht in den Bedingungen deines Brokers, nicht im Gesetz. Deshalb der einzige Rat, der hier zählt: Lass über Silvester eine kleine Reserve auf dem Verrechnungskonto stehen. Bei den meisten Depots sind 50 bis 100 € für mehrere Jahre genug Sicherheitsabstand.

Der Freistellungsauftrag drückt sie oft auf null

Die Vorabpauschale ist ein Kapitalertrag wie Zinsen oder Dividenden und zählt gegen den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € pro Person, 2.000 € bei gemeinsam veranlagten Ehepaaren. Liegt bei der Depotbank ein Freistellungsauftrag in ausreichender Höhe vor, zieht sie nichts ab. Bei einem Depot von 40.000 € liegt der Basisertrag 2026 bei etwa 900 € – das passt bei vielen noch komplett unter den Freibetrag.

Genau hier wird es brenzlig: Wenn der Freibetrag schon beim Tagesgeld verbraucht ist, trifft die Vorabpauschale voll zu. Wie du ihn sinnvoll auf mehrere Banken verteilst, steht in Wie viel Zinsen sind steuerfrei? Der Freibetrag konkret. Der Freistellungsauftrag muss bis Jahresende bei der Bank liegen, damit er für die Januar-Abbuchung greift – im Januar nachgereicht ist er für das alte Jahr zu spät.

Drei Fälle, die oft falsch verstanden werden

Ich habe den ETF im Dezember verkauft – muss ich trotzdem zahlen?

Für die Monate, in denen du gehalten hast, ja. Die Vorabpauschale des Verkaufsjahres entfällt zwar, aber beim Verkauf wird der volle Gewinn ohnehin versteuert – inklusive der Monate. Verkaufen, um die Pauschale zu umgehen, bringt also nichts und kostet im Zweifel mehr Steuer auf einmal.

Mein ETF ist 2026 gefallen – kommt dann etwas?

Nein. Der Deckel aus Schritt 3 greift: ohne Wertsteigerung keine Vorabpauschale. Im Verlustjahr bucht die Bank nichts ab. Umgekehrt heißt das aber auch, dass sie nach einem starken Jahr sicher kommt.

Gilt das auch für ausschüttende ETFs?

Grundsätzlich ja, praktisch meist nicht. Schüttet der ETF mindestens so viel aus wie der Basisertrag, bleibt nach Schritt 2 nichts übrig. Deshalb trifft die Vorabpauschale fast nur thesaurierende Fonds – ein Unterschied, der in Thesaurierend oder ausschüttend: welcher ETF passt? eine Rolle spielt.

Was wir bei Leon Finanz selbst machen

Wir halten es bewusst unspektakulär. Erstens liegt bei jeder Bank, bei der Geld oder ein Depot liegt, ein Freistellungsauftrag – aufgeteilt, nicht alles bei einer. Zweiter Schritt: Ende Dezember einmal kurz nachsehen, ob auf dem Verrechnungskonto ein dreistelliger Betrag liegt. Das ist der ganze Aufwand, und er verhindert den einen Fall, der wirklich Geld kostet – den Zwangsverkauf.

Was wir nicht machen: umschichten, Verkaufszeitpunkte um die Pauschale herum planen oder auf ausschüttende ETFs wechseln, nur um sie zu vermeiden. Die Beträge sind dafür zu klein, die Ordergebühren und der Steuereffekt eines Verkaufs zu groß. Die Vorabpauschale ist ein Termin im Kalender, keine Anlageentscheidung. Aktuelle Konditionen und wie dein Broker genau abbucht, steht in den Bedingungen beim Anbieter.

Häufige Fragen

Vorabpauschale ETF – ab wann wird sie abgebucht?

Für das Jahr 2026 ab dem 2. Januar 2027, dem ersten Bankarbeitstag. Die meisten Depotbanken buchen in den ersten zwei Januarwochen, einige bis Ende Januar.

Muss ich die Vorabpauschale in der Steuererklärung angeben?

Bei einer deutschen Depotbank nicht – sie führt die Steuer direkt ab, damit ist die Sache erledigt. Bei einem Depot im Ausland musst du sie selbst über die Anlage KAP erklären.

Kann ich die Vorabpauschale verhindern?

Legal nur über den Freistellungsauftrag, solange der Freibetrag reicht. Ansonsten nein. Sie ist aber kein Verlust, sondern eine Vorauszahlung, die beim Verkauf wieder abgezogen wird.

Was, wenn die Bank zu viel abgebucht hat?

Dann korrigiert sie das in der Regel selbst, sobald ein Freistellungsauftrag oder eine Verlustverrechnung dazukommt. Bleibt es stehen, holst du es über die Steuererklärung zurück – dafür brauchst du die Jahressteuerbescheinigung der Bank.

Zählt die Vorabpauschale gegen den Verlusttopf?

Ja. Hast du bei derselben Bank realisierte Verluste aus Aktienfonds im Topf, verrechnet sie diese automatisch, und es wird weniger oder nichts abgebucht.

Quellen

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