ETF-Sparplan mit 100 Euro im Monat: So fängst du an
„Investieren ist nur was für Reiche“ ist einer der teuersten Irrtümer überhaupt. Mit einem ETF-Sparplan investierst du ab 100 € im Monat – oft sogar ab 1 € – automatisch in Hunderte Unternehmen gleichzeitig. Ohne Aktien auswählen zu müssen, ohne den „richtigen Zeitpunkt“ zu suchen. Ob die Erträge dabei automatisch wieder angelegt oder ausgezahlt werden, ist die nächste Entscheidung – was sich wann lohnt, steht in Thesaurierend oder ausschüttend.
Was ein ETF eigentlich ist – in zwei Sätzen

Ein ETF ist ein Fonds, der stur einen Index nachbaut – zum Beispiel den MSCI World mit rund 1.400 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Kaufst du einen Anteil, gehört dir ein winziges Stück von allen: Apple, Siemens, Nestlé und Co. auf einmal.
Der Clou ist die Streuung: Geht eine Firma unter, merkst du es kaum. Du wettest nicht auf ein Pferd, sondern auf den ganzen Rennstall – genauer: auf die Weltwirtschaft.
Was aus 100 € im Monat werden kann
Aktienmärkte haben historisch im langjährigen Durchschnitt etwa 6 bis 8 % Rendite pro Jahr gebracht – mit heftigen Schwankungen dazwischen, das gehört zur Wahrheit dazu. Bei angenommenen 6 % ergeben 100 € im Monat:
- nach 10 Jahren: rund 16.400 € (12.000 € eingezahlt)
- nach 20 Jahren: rund 46.200 € (24.000 € eingezahlt)
- nach 30 Jahren: rund 100.000 € (36.000 € eingezahlt)
Das ist keine Garantie, sondern eine Rechnung mit historischen Durchschnitten. Aber sie zeigt den Mechanismus: Die zweite Hälfte des Vermögens verdient irgendwann der Zinseszins, nicht du.
Was 100 € im Monat über die Jahre werden – drei Szenarien
Niemand kann die Rendite der Zukunft kennen. Was man tun kann: mit verschiedenen Annahmen rechnen und sehen, wie stark das Ergebnis davon abhängt. Die folgenden Zahlen unterstellen 100 € monatlich, wiederangelegte Erträge und keine Steuern; historisch lag ein breiter Welt-Aktienindex langfristig bei etwa 6 bis 8 % im Jahr, mit zwischenzeitlichen Einbrüchen von 30 % und mehr.
| Laufzeit | Eingezahlt | bei 4 % | bei 6 % | bei 8 % |
|---|---|---|---|---|
| 10 Jahre | 12.000 € | 14.700 € | 16.400 € | 18.300 € |
| 15 Jahre | 18.000 € | 24.600 € | 29.100 € | 34.600 € |
| 20 Jahre | 24.000 € | 36.700 € | 46.200 € | 58.900 € |
| 30 Jahre | 36.000 € | 69.400 € | 100.500 € | 149.000 € |
Die Tabelle zeigt zwei Dinge. Erstens: Der Unterschied zwischen den Renditeannahmen wird erst nach vielen Jahren groß – nach zehn Jahren trennen 4 % und 8 % rund 3.600 €, nach dreißig Jahren fast 80.000 €. Zweitens: Bei allen drei Annahmen liegt am Ende deutlich mehr auf dem Konto als eingezahlt wurde. Der entscheidende Hebel ist deshalb nicht die perfekte Fondsauswahl, sondern die Zeit – und dass du nicht zwischendurch aussteigst. Wer dabei auf Nachhaltigkeit achten will, findet die Abwaegung in Nachhaltige ETFs.
Was ein halbes Prozent Kosten anrichtet
Bei ETFs redet man über Kosten in Zehntelprozenten, was harmlos klingt. Über eine Ansparzeit ist es das nicht. Ein Fonds mit 0,20 % laufenden Kosten gegen einen mit 0,70 %: Bei 100 € monatlich und 6 % Rendite trennen die beiden nach dreißig Jahren rund 9.000 € – ungefähr ein Zehntel des Endbetrags, allein durch die Gebühr.
Deshalb lohnt der Blick auf zwei Zahlen, bevor du einen Sparplan einrichtest: die TER (laufende Kosten des Fonds, bei breiten Welt-ETFs meist zwischen 0,10 und 0,25 %) und die Ordergebühr des Brokers je Sparplanausführung. Bei 100 € Rate frisst eine Gebühr von 1,50 € pro Ausführung bereits 1,5 % der Einzahlung – mehr als die Fondskosten eines ganzen Jahres. Viele Broker führen Sparpläne kostenlos aus; das ist bei kleinen Raten das wichtigere Kriterium.
Der häufigste Fehler: anfangen, bevor das Fundament steht

Ein Sparplan ist erst dann sinnvoll, wenn zwei Dinge geklärt sind. Erstens teure Schulden: Ein Dispo oder Ratenkredit mit zweistelligem Zins kostet dich sicher mehr, als ein ETF im Schnitt einbringt – Tilgen schlägt Anlegen. Zweitens die Rücklage: Wer bei der nächsten kaputten Waschmaschine Anteile verkaufen muss, verkauft womöglich genau im Tief. Wie hoch deine Rücklage sein sollte, rechnest du in unserem Artikel zum Notgroschen aus; wo sie am besten liegt, klärt der Vergleich von Tagesgeld und Girokonto.
Die drei Entscheidungen, die wirklich zählen
- Breiter Index statt Wette: MSCI World oder FTSE All-World sind die Klassiker für den Einstieg.
- Thesaurierend heißt: Dividenden werden automatisch wieder angelegt – gut fürs lange Sparen.
- Laufende Kosten (TER) unter 0,3 % pro Jahr – bei den großen Standard-ETFs Normalität.
So startest du in 20 Minuten
Du brauchst ein Depot – bei modernen Anbietern ist das in einer Viertelstunde eröffnet, ETF-Sparpläne sind dort meist gebührenfrei. Danach: Sparplan anlegen, Ausführung auf den Monatsanfang legen, 100 € einstellen – fertig. Ab da läuft es automatisch.
Die wichtigste Regel danach klingt banal und ist am schwersten: nicht dran rumfummeln. Kein Verkaufen im Crash, kein Pausieren, weil die Nachrichten schlecht sind. Der Sparplan kauft in schlechten Monaten automatisch mehr Anteile – genau das macht langfristig den Unterschied.
Erst Notgroschen, dann Sparplan
Eine ehrliche Reihenfolge zum Schluss: Investiere erst, wenn dein Notgroschen steht. Wer seine Rücklage im Crash verkaufen muss, weil das Auto kaputtgeht, verliert doppelt. Mit Rücklage im Rücken kannst du Schwankungen aussitzen – und genau dafür wirst du bezahlt.
Häufige Fragen
Lohnen sich 100 Euro im Monat überhaupt?
Ja – der Betrag ist weniger wichtig als die Regelmäßigkeit. Entscheidend ist, dass jeden Monat automatisch etwas läuft, weil dann auch in schwachen Börsenphasen weiter gekauft wird. Wer auf den „richtigen Zeitpunkt" wartet, verliert meist mehr Zeit, als ein besserer Einstiegskurs je einbringen würde.
Wo kann ich 100 Euro monatlich anlegen?
Bei jedem Broker mit ETF-Sparplan. Wichtig sind drei Dinge: keine oder sehr niedrige Ordergebühr für Sparpläne, eine Mindestrate von höchstens 25 Euro, und ein breiter Index als Auswahl. Die Sparplanausführung ist bei den meisten Anbietern kostenlos oder kostet wenige Cent – bei 100 Euro Rate machen schon 1,50 Euro Gebühr 1,5 Prozent aus, bevor überhaupt etwas investiert ist.
Wie viel wird aus 100 Euro im Monat?
Ab welchem Betrag lohnt sich ein ETF-Sparplan?
Bei vielen Anbietern startet ein Sparplan schon ab 1 € oder 25 € im Monat. Die Frage ist also weniger, ab wann es geht, sondern ab wann es sich anfühlt wie Vermögensaufbau. 50 € im Monat ergeben nach zehn Jahren rund 6.000 € eingezahltes Kapital – ohne jede Rendite gerechnet. Wichtiger als der Betrag ist, dass er dauerhaft übrig bleibt: Ein Sparplan, den du nach drei Monaten wieder aussetzen musst, bringt weniger als einer über 30 €, der zehn Jahre durchläuft.
An welchem Tag im Monat sollte der Sparplan ausgeführt werden?
Die meisten Anbieter lassen dich zwischen ein bis drei Terminen wählen. Für die Rendite ist der Tag praktisch bedeutungslos – über Jahre gleichen sich die Kursunterschiede aus, das ist gerade der Sinn eines Sparplans. Praktisch sinnvoll ist ein Termin kurz nach dem Gehaltseingang: Dann ist das Geld da, und du gibst es nicht vorher aus.
Was passiert, wenn ich den Sparplan mal aussetzen muss?
Nichts Dramatisches. Ein Sparplan lässt sich jederzeit pausieren, senken oder beenden, ohne Gebühr und ohne dass die bereits gekauften Anteile berührt werden. Genau das ist der Vorteil gegenüber Verträgen mit fester Laufzeit: Du musst dich nicht auf Jahre binden, um anzufangen.
Das hängt an der Rendite und ist keine Zusage, sondern eine Rechnung. Bei 100 Euro monatlich über 20 Jahre sind 24.000 Euro eingezahlt; bei einer angenommenen Wertentwicklung von 6 Prozent pro Jahr wären daraus rund 46.000 Euro geworden. Der Unterschied ist nicht dein Sparen, sondern der Zinseszins – und der braucht vor allem Zeit.