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Welchen ETF kaufen? 4 Kriterien, die einen Renner-ETF von einer faulen Frucht unterscheiden

Gastbeitrag von Alexia Tsouri  ·  14.10.2026  ·  7 Min. Lesezeit

"Welchen ETF soll ich kaufen?"

Diese Frage höre ich immer wieder. Und sie ist berechtigt, denn die Auswahl ist riesig und kaum jemand erklärt dir, wie du sie sinnvoll eingrenzt.

Ich habe jahrelange Erfahrung in einer Investmentbank. In der Finanzbranche treffen Profis Entscheidungen anhand fester Kriterien. Sie fragen nicht, welcher Name gut klingt. Sie arbeiten eine Liste ab. Genau diese Denkweise habe ich für Privatanleger:innen übersetzt.

2019 habe ich Akademiker Fibel gegründet und begleite seitdem ambitionierte Akademiker:innen auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit mit 50. Ich sehe also beide Seiten: wie Profis in der Finanzbranche denken und wo Menschen im Alltag beim Investieren tatsächlich hängen bleiben.

Und seitdem stellen mir meine Kundinnen, wenn es um ETFs geht, immer wieder dieselben Fragen. Egal, ob sie gerade erst mit dem Investieren starten oder schon ein Depot haben.

Zum Beispiel:

Du brauchst nicht noch mehr Wissen, du brauchst eine Checkliste, die du mühelos abhaken kannst

Wenn du dir eine dieser Fragen auch schon gestellt hast, bist du in guter Gesellschaft. Es sind genau die Fragen, an denen viele am Anfang hängen bleiben. Die Antworten darauf sind erstaunlich oft dieselben. Deshalb habe ich sie in Kriterien gegossen, die du in wenigen Minuten selbst prüfen kannst.

Falls dir der Begriff noch nicht geläufig ist: Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index nachbildet. Mit einem einzigen ETF auf den MSCI World kaufst du zum Beispiel auf einen Schlag Anteile an rund 1.250 Unternehmen.

Wer sich fragt "Welche ETFs kaufen?", steht erst einmal vor einer Wand aus Namen und Zahlen. Das Angebot macht die Entscheidung nicht leichter. Weltweit gibt es über 15.000 ETFs, und ein großer Teil davon ist auch in Deutschland handelbar. MSCI World, S&P 500, FTSE All-World, Emerging Markets, Dividenden-ETFs, Faktor-ETFs, nachhaltige ETFs.

Jeder klingt irgendwie gut. Und genau das ist das Problem.

Denn nicht jeder ETF ist ein Renner. Viele ETFs klingen auf den ersten Blick solide, kosten dich aber still und leise Rendite. Monat für Monat. Jahr für Jahr. Und du merkst es nicht, weil das Depot ja irgendwie nach oben geht.

ETF-Auswahl ohne klare Kriterien ist Glücksspiel. Dabei ist Investieren gar nicht so kompliziert. Den meisten hat nur nie jemand gezeigt, wonach sie überhaupt schauen sollen.

Stell dir vor, du lernst endlich ein Flugzeug fliegen. Du würdest nicht allein nach der Lackfarbe der Boeing entscheiden. Du schaust auf den Motor, Verbrauch, Größe, Hersteller und Bremsen.

Bei ETFs gilt dasselbe. Nur fallen die Kosten dort nicht an der Tankstelle auf, sie laufen unsichtbar im Hintergrund mit.

In diesem Artikel stelle ich dir 4 Kriterien vor, mit denen du dir die Frage "Welche ETFs kaufen?" selbst beantworten kannst. Sie bilden den Basis-Check in meiner 13-Kriterien-Checkliste, die ich im ETF-Kompass für 0 € zusammengestellt habe.

Das Gute daran: Du brauchst dafür weder ein Finanzstudium noch Vorkenntnisse. Du brauchst nur die richtigen Fragen und einen Ort, an dem du die Antworten nachschlagen kannst.

Diese 4 Kriterien unterscheiden Renner ETFs von faulen Früchten

Kriterium 1: Breit gestreut (100+ Werte)

Die Frage dazu: Ist mein ETF breit genug gestreut?

Diversifikation ist der Schutz gegen Einzelrisiken. Je mehr verschiedene Unternehmen in einem ETF stecken, desto besser verteilt sich das Risiko. Fällt ein einzelnes Unternehmen aus, merkst du es im Depot kaum.

Als Faustregel gilt: Ein ETF sollte mindestens 100 verschiedene Unternehmen enthalten. Klassiker wie der MSCI World mit rund 1.250 Unternehmen oder der S&P 500 mit 500 Unternehmen sind gute Beispiele dafür.

Vorsicht ist bei sehr kleinen Auswahlen geboten. Ein ETF, der nur eine Handvoll Unternehmen enthält, verhält sich schnell wie ein Einzelwert, nur mit dem Etikett ETF. Und dann trägst du genau das Risiko, das du mit einem ETF eigentlich vermeiden wolltest.

Auch bei vielen Werten lohnt sich ein zweiter Blick: Ein ETF kann Hunderte Unternehmen enthalten und trotzdem fast nur auf eine einzige Branche setzen. Genau dafür gibt es im Kompass den Index-Check.

Wo findest du die Anzahl der Werte? Auf justETF oder extraETF in den Stammdaten oder im Factsheet des ETF, meist unter dem Begriff Anzahl der Positionen oder Holdings.

Kriterium 2: Geringe Kosten (TER unter 0,5 %)

Die Frage dazu: Ist mein ETF zu teuer?

Die TER (Total Expense Ratio) ist das, was du jährlich für einen ETF zahlst. Sie wird automatisch aus dem Fondsvermögen abgezogen, du bekommst also nie eine Rechnung.

Klingt nach einem kleinen Detail. Ist es aber nicht.

Ich habe das selbst erlebt. Nach dem Studium habe ich einen Riester-Vertrag abgeschlossen, ohne wirklich zu verstehen, wie er funktioniert. Erst als ich meine Kontoauszüge geprüft habe, ist mir klar geworden: Mein Geld arbeitete für Gebühren aber nicht für mich.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel. Du investierst 10.000 Euro in zwei ETFs, die denselben Index abbilden. ETF A hat eine TER von 0,2 % pro Jahr, ETF B eine TER von 0,7 % pro Jahr. Der Unterschied wirkt winzig.

Rechnest du mit einer Rendite von 7 % pro Jahr vor Kosten und einem Zeitraum von 20 Jahren, werden aus deinen 10.000 Euro bei ETF A rund 37.300 Euro. Bei ETF B sind es rund 33.900 Euro. Das sind rund 3.300 Euro Unterschied, für denselben Index und dieselbe Marktentwicklung. Das ist der Zinseszins, der gegen dich arbeitet, statt für dich.

Und dabei gehe ich nur von einer einmaligen Einzahlung aus. Wenn du monatlich sparst, wächst der Unterschied weiter.

Was ist ein guter Wert? Die TER sollte unter 0,5 % liegen. Je niedriger die laufenden Kosten, desto mehr bleibt dir von der Rendite. Viele breit gestreute Welt-ETFs liegen sogar bei rund 0,1 % bis 0,2 %.

Wo findest du die TER? Auf jedem Vergleichsportal wie justETF, extraETF oder onvista direkt in den Stammdaten des ETF. Du brauchst dafür etwa eine Minute.

Kriterium 3: Die ETF-Größe (mindestens 100 Mio. €)

Die Frage dazu: Ist es schlimm, dass mein ETF noch so klein ist?

Die Größe (auch Fondsvolumen genannt) zeigt, wie viel Geld insgesamt in einem ETF steckt. Hier machen viele einen klassischen Fehler: Sie kaufen einen ETF, der thematisch spannend klingt, aber nur 20 oder 30 Millionen Euro Fondsvolumen hat. Was passiert dann?

Kleine ETFs können schneller geschlossen werden oder stärker schwanken. Du sitzt dann plötzlich mit einem ETF im Depot, den du nie wolltest, oder musst verkaufen, obwohl du eigentlich langfristig investieren wolltest. Je nach Gewinn können dabei sogar Steuern anfallen.

Deshalb gilt: Ein ETF sollte mindestens 100 Millionen Euro Fondsvolumen haben. Darunter steigt das Risiko einer Schließung deutlich. Ein hohes Fondsvolumen signalisiert Stabilität.

Noch ein weiterer Vorteil eines großen Fonds: Der Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis, ist bei größeren ETFs in der Regel günstiger. Das klingt nach einem kleinen Detail, summiert sich aber über viele Käufe und Jahre.

Auch die Größe findest du in den Stammdaten auf justETF, extraETF oder onvista, direkt neben der TER.

Kriterium 4: Ein bekannter Anbieter

Die Frage dazu: Kann ich einem Anbieter vertrauen, von dem ich noch nie gehört habe?

Vertrauen ist hier entscheidend. Es gibt heute eine Handvoll wirklich etablierter Anbieter, die seit Jahrzehnten im Markt sind, eine hohe Transparenz bieten und sich regulatorisch an hohe Standards halten müssen.

Die Namen, die du kennen solltest: iShares (BlackRock), Vanguard, Xtrackers (DWS), Amundi und Invesco. Große Namen wie diese stehen für Erfahrung, Transparenz und Verlässlichkeit. Und sie verwalten zusammen mehrere Billionen Euro.

Was du vermeiden solltest: ETFs von unbekannten Anbietern mit wenig Track Record, kleinem Gesamtvolumen und undurchsichtiger Struktur. Das bedeutet nicht automatisch, dass solche ETFs schlecht sind. Aber das Risiko einer Schließung oder einer mangelhaften Indexabbildung ist deutlich höher.

Eine einfache Faustregel: Wenn du den Namen des Anbieters googelst und kaum etwas findest, ist Vorsicht angebracht.

Welche ETFs kaufen? SelbstCheck in unter 10 Minuten

Du kannst die 4 Kriterien direkt auf deinen eigenen ETF anwenden.

Schritt 1: Öffne justETF, extraETF oder onvista und gib den Namen oder die WKN deines ETFs ein.

Schritt 2: Prüfe, wie viele Werte im ETF stecken. Sind es mindestens 100?

Schritt 3: Schau dir die TER an. Liegt sie unter 0,5 %?

Schritt 4: Kontrolliere die Größe. Sind es mindestens 100 Millionen Euro?

Schritt 5: Schau nach, welcher Anbieter hinter dem ETF steckt. Kennst du den Namen?

Mehr brauchst du für den ersten Check nicht. Wenn bei einem der vier Punkte eine rote Flagge auftaucht, lohnt sich ein genauerer Blick für eine Alternative.

9 weitere Kriterien im ETF-Kompass für 0 € von Akademiker Fibel

Diese vier Kriterien helfen dir, offensichtliche Fehler bei der ETF-Auswahl zu vermeiden. Aber sie sind nur der Anfang.

Es gibt 9 weitere Kriterien, die den Unterschied machen zwischen einem ETF, der dich gefühlt zuverlässig auf Kurs zur Rente mit 50 bringt, und einem ETF, der nur auf dem Papier gut aussieht.

All das habe ich in meinem ETF-Kompass für 0 € zusammengestellt. Inklusive einem 30-Minuten-Video-Tutorial, in dem ich dir zeige, wie du Renner-ETFs von faulen Früchten unterscheidest: Renner? Rein ins Depot. Faule Frucht? Raus.

Du bekommst die 13-Kriterien-Checkliste und das Video, damit du nach 30 Minuten genau weißt, ob die ETFs in deinem Depot wirklich für dich arbeiten oder still und leise deine Rendite fressen.

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Denn du bist vielleicht nur einen ETF-Sparplan von deiner Rente mit 50 entfernt.

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