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Thesaurierend oder ausschüttend: Was lohnt sich?

2026-08-19  ·  6 Min. Lesezeit

Du hast dich für einen ETF-Sparplan entschieden, stehst im Depot vor der Auswahl – und dann taucht derselbe Welt-ETF zweimal auf: einmal thesaurierend (Acc), einmal ausschüttend (Dist). Genau an dieser Stelle brechen viele ab und schieben die Entscheidung wochenlang vor sich her. Die gute Nachricht vorweg: Bei einer Sparrate von 100 bis 200 € im Monat ist das keine Entscheidung über dein Vermögen, sondern über deine Bequemlichkeit. Wichtig ist, dass du überhaupt anfängst – wie in ETF-Sparplan mit 100 Euro im Monat beschrieben.

Der Unterschied in einem Satz

Thesaurierend oder ausschüttend: Was lohnt sich?

Die Unternehmen in deinem ETF zahlen Dividenden. Was mit diesem Geld passiert, ist der ganze Unterschied:

Inhaltlich steckt in beiden derselbe Index, dieselben Firmen, dieselbe Wertentwicklung. Der Zinseszinseffekt funktioniert bei beiden – beim Thesaurierer automatisch, beim Ausschütter nur, wenn du das ausgeschüttete Geld auch wieder anlegst. Und genau da scheitern viele: 40 € Ausschüttung liegen auf dem Konto, drei Wochen später sind sie weg.

Der alte Steuertrick funktioniert nur noch halb

Jahrelang lautete der Rat: Nimm einen Ausschütter, dann nutzt du deinen Sparerpauschbetrag (den steuerfreien Betrag für Kapitalerträge, aktuell 1.000 € pro Person und Jahr) automatisch aus. Das stimmt weiterhin – nur ist der Vorteil deutlich kleiner geworden, seit es die Vorabpauschale gibt.

Die Vorabpauschale ist eine jährliche Mini-Besteuerung auf thesaurierende Fonds. Der Staat tut so, als hättest du einen kleinen Ertrag bekommen, und besteuert diesen – auch wenn dir nie Geld ausgezahlt wurde. Wie hoch sie ausfällt, hängt von einem Basiszins ab, den das Bundesfinanzministerium jedes Jahr neu festlegt; sie kann in Jahren mit sehr niedrigem Zinsniveau auch bei null liegen. Verrechnet wird sie beim Verkauf wieder, du zahlst also nichts doppelt. Details erklären extraETF und justETF ausführlich.

Unterm Strich heißt das: Auch der Thesaurierer wird jährlich angefasst. Der Steuervorteil des Ausschütters ist damit kein Argument mehr, sondern eine Nachkommastelle.

Die Falle, die keiner erwähnt: das Verrechnungskonto

Wenn du einen thesaurierenden ETF hast, bucht deine Bank die Steuer auf die Vorabpauschale meistens Anfang des Jahres direkt von deinem Verrechnungskonto ab. Ist dort kein Geld, passieren je nach Anbieter unschöne Dinge: Die Bank zieht vom Referenzkonto ein, meldet die Sache dem Finanzamt oder – im schlimmsten Fall – verkauft Anteile. Es geht dabei oft nur um wenige Euro, aber der Ärger ist echt.

Praktische Regel: Lass zum Jahreswechsel einen kleinen zweistelligen Betrag auf dem Verrechnungskonto liegen. Das kostet dich nichts und erspart dir eine E-Mail, die du nicht verstehst.

Was bei 100 Euro im Monat wirklich zählt

Was bei 100 Euro im Monat wirklich zählt

Rechne kurz mit: Ein Welt-ETF schüttet grob 1,5 bis 2 % Dividendenrendite im Jahr aus. Bei 1.200 € Einzahlung im ersten Jahr sind das rund 20 €. Deinen Freibetrag von 1.000 € sprengst du damit auf Jahre nicht. Die Steuerfrage ist in deiner Situation also praktisch bedeutungslos. Was tatsächlich zählt:

So entscheidest du in zwei Minuten

Und falls du dich falsch entscheidest: Du kannst den Sparplan jederzeit auf die andere Variante umstellen. Die alten Anteile bleiben einfach liegen. Es gibt hier keinen Fehler, der dich Geld kostet – nur den Fehler, deswegen gar nicht anzufangen.

Wie wir es selbst halten

In unseren täglichen LeonFinanz-Videos kommt diese Frage öfter als fast jede andere. Unsere Antwort ist immer dieselbe und sie ist unspektakulär: thesaurierend, ein breiter Welt-ETF, Sparplan auf den Tag nach dem Gehaltseingang, danach nicht mehr hinschauen. Nicht weil es die letzten 0,3 % Rendite bringt, sondern weil es die Variante ist, bei der man nichts vergessen kann. Bevor du überhaupt investierst, sollte allerdings dein Notgroschen stehen – Geld, das du in zwölf Monaten brauchst, gehört nicht in einen ETF.

Häufige Fragen

Ist ein thesaurierender ETF wirklich steuerfrei bis zum Verkauf?

Nein. Durch die Vorabpauschale wird jedes Jahr ein kleiner Betrag besteuert, sofern der Fonds im Wert gestiegen ist. Beim Verkauf wird das gegengerechnet.

Kann ich beide Varianten parallel besparen?

Ja, das ist problemlos möglich – nur macht es die Übersicht unnötig kompliziert. Für kleine Sparraten reicht ein einziger ETF vollkommen.

Was ist, wenn ich meinen Freistellungsauftrag vergessen habe?

Zu viel gezahlte Steuer holst du dir über die Steuererklärung zurück (Anlage KAP). Ärgerlich, aber kein verlorenes Geld.

Muss ich einen Ausschütter nehmen, um meinen Freibetrag zu nutzen?

Nein. Auch die Vorabpauschale und spätere Verkaufsgewinne werden gegen den Freibetrag gerechnet. Der Freibetrag verfällt zwar jährlich, aber bei kleinen Depots ist er ohnehin kaum ausgeschöpft.

Erkenne ich am Namen, welche Variante ich vor mir habe?

Kann ich später von thesaurierend auf ausschüttend wechseln?

Ein Wechsel ist möglich, gilt steuerlich aber als Verkauf und Neukauf – angefallene Gewinne werden dann fällig. Sinnvoller ist es meist, den bestehenden ETF liegen zu lassen und den Sparplan ab sofort auf die andere Variante laufen zu lassen. So verschiebst du das Verhältnis mit der Zeit, ohne einen Steuerabzug auszulösen.

Was passiert bei einem Depotwechsel zu einer anderen Bank?

Ein reiner Übertrag ohne Eigentümerwechsel ist kein Verkauf und löst keine Steuer aus. Wichtig ist, dass die alte Bank die Anschaffungsdaten mitüberträgt – sonst rechnet die neue Bank im Zweifel mit einer Ersatzbemessungsgrundlage, und du holst dir zu viel gezahlte Steuer erst über die Steuererklärung zurück.

Spielt die Wahl bei kleinen Sparraten überhaupt eine Rolle?

Am Anfang kaum. Wer 100 € im Monat anlegt, bewegt sich mit den Erträgen jahrelang unter dem Sparerpauschbetrag von 1.000 € – steuerlich macht die Variante dann keinen Unterschied. Wichtiger ist, überhaupt zu starten und den Freistellungsauftrag zu erteilen. Relevanter wird die Frage, wenn das Depot fünfstellig wird.

Was ist die Vorabpauschale und wann trifft sie mich?

Bei thesaurierenden Fonds zahlst du keine laufenden Ausschüttungen aus, deshalb greift der Staat über die Vorabpauschale zu – einen pauschalen Betrag, der jährlich versteuert wird und später beim Verkauf gegengerechnet wird. Sie wird meist Anfang des Jahres vom Verrechnungskonto eingezogen. Wichtig: Sorge dafür, dass dort etwas Guthaben liegt, sonst kommt eine unerwartete Belastung.

Welche Variante passt in der Auszahlphase?

Wer vom Depot leben will, findet Ausschütter oft bequemer: Es kommt regelmäßig Geld aufs Konto, ohne dass du Anteile verkaufen musst. Zwingend ist das nicht – ein Verkauf kleiner Stückzahlen erfüllt denselben Zweck und lässt dich die Höhe selbst bestimmen. Die Frage stellt sich ohnehin erst Jahrzehnte nach dem Start und lässt sich bis dahin über neue Sparraten steuern.

Meistens ja: Acc oder Accumulating steht für thesaurierend, Dist oder Distributing für ausschüttend. Im Zweifel hilft ein Blick ins Factsheet – die ISIN unterscheidet sich immer.

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