Wo sollte der Notgroschen liegen? Konto, Bargeld, Grenzen
Wie viel Notgroschen man braucht, ist die Frage, die überall beantwortet wird. Wo er liegen soll, kaum – dabei entscheidet genau das, ob er im Ernstfall funktioniert. Ein Notgroschen, an den du erst in drei Werktagen kommst, ist im entscheidenden Moment kein Notgroschen. Einer, der im Depot liegt, ist ausgerechnet dann am kleinsten, wenn du ihn brauchst.
Die kurze Antwort: Der Hauptteil gehört auf ein Tagesgeldkonto, getrennt vom Alltagskonto. Ein kleiner Teil gehört als Bargeld nach Hause. Und ein paar Orte, die naheliegend wirken, scheiden aus. Wie viel insgesamt zusammenkommen sollte, steht in Notgroschen: Wie viel Geld du wirklich zur Seite legen solltest – hier geht es allein um das Wohin.

Die drei Anforderungen, an denen sich alles entscheidet
Bevor man über Konten redet, lohnt es sich, die Bedingungen aufzuschreiben. Der Notgroschen muss drei Dinge gleichzeitig können, und fast jede Anlageform scheitert an mindestens einer davon:
- Jederzeit verfügbar: heute entschieden, spätestens morgen auf dem Girokonto. Ohne Kündigungsfrist, ohne Verkaufsauftrag, ohne Börsenöffnungszeiten.
- Wertstabil: Was du einzahlst, ist auch da, wenn du es brauchst. Ein Notgroschen, der schwanken darf, zwingt dich zum Verkauf im schlechtesten Moment.
- Getrennt vom Alltag: Was auf dem Girokonto liegt, wird ausgegeben. Nicht aus Schwäche, sondern weil der Kontostand die gefühlte Budgetgrenze ist.
Die dritte Bedingung ist die, die am häufigsten unterschätzt wird. Sie ist der eigentliche Grund, warum „lass es einfach auf dem Girokonto" in der Praxis nicht funktioniert – nicht die Zinsen.
Der Hauptteil: Tagesgeldkonto, aber bei welcher Bank?
Das Tagesgeldkonto erfüllt alle drei Bedingungen und ist deshalb die Empfehlung der Verbraucherzentrale für die Notfallreserve: täglich verfügbar, keine Kursschwankung, eine eigene Kontonummer. Überweisungen aufs Referenzkonto sind in der Regel am nächsten Bankarbeitstag da.
Interessanter ist die Frage, die dahinter kommt: bei der Hausbank oder bei einer Direktbank mit besseren Konditionen? Hier lohnt eine ehrliche Abwägung statt der üblichen Zins-Antwort. Bei der eigenen Bank hast du das Geld typischerweise sofort auf dem Girokonto, per Klick, auch sonntags. Bei einer fremden Direktbank dauert die Überweisung einen Bankarbeitstag, und genau dieser Tag kann der Unterschied zwischen „unangenehm" und „Dispo" sein.
Unsere Aufteilung in der Praxis: Der Teil, der wirklich sofort greifbar sein muss – etwa eine Monatsausgabe – liegt auf einem Tagesgeldkonto bei derselben Bank wie das Girokonto. Der Rest darf woanders liegen, wo er besser verzinst wird. Konkrete Zinssätze nennen wir bewusst nicht, die ändern sich zu schnell; sieh dir die aktuellen Konditionen direkt beim Anbieter an.
Ein Detail, das man einmal prüfen sollte: Einlagen sind über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € pro Kunde und Bank geschützt, das regelt die BaFin. Für den Notgroschen ist das praktisch nie die Grenze – relevant wird es erst, wenn Notgroschen und andere Rücklagen bei derselben Bank zusammen in die Nähe dieser Summe kommen.
Bargeld zu Hause: ja, aber wenig
Bargeld ist der einzige Teil des Notgroschens, der auch dann funktioniert, wenn das Problem nicht dein Konto ist, sondern die Technik davor: Karte gesperrt oder verloren, Online-Banking ausgesperrt, Stromausfall, ein Kartenterminal-Ausfall wie er in den letzten Jahren mehrfach bundesweit vorkam. In solchen Situationen nützt der beste Kontostand nichts.
Sinnvoll ist genug für zwei, drei Tage – Lebensmittel, Tanken, ein Taxi, ein Handwerker, der bar will. Für die meisten Haushalte heißt das ein paar Hundert Euro, nicht mehr. Zwei Gründe sprechen gegen größere Summen zu Hause:
- Versicherung: Hausratversicherungen ersetzen Bargeld nur bis zu einem im Vertrag festgelegten Höchstbetrag, und der ist meist niedrig. Sieh in deinen Bedingungen nach, bevor du dich auf eine Zahl verlässt – die Grenzen unterscheiden sich stark.
- Inflation: Bargeld im Schrank verliert jedes Jahr genau den Kaufkraftbetrag, den die Inflation ausmacht, und bekommt keinen Zins als Ausgleich. Warum das auch beim Kontoguthaben zählt, steht in Lohnt sich Sparen bei Inflation überhaupt noch?
Wenn Bargeld, dann getrennt von den Wertsachen aufbewahrt und in kleinen Scheinen. Ein 200-Euro-Schein nützt wenig, wenn das Kartenterminal im Supermarkt gerade ausgefallen ist.
Was nicht infrage kommt – und warum

Drei Orte wirken vernünftig und sind es für diesen Zweck nicht:
Festgeld. Der Zins ist höher, das Geld aber für die Laufzeit gebunden. Genau die Eigenschaft, die Festgeld für geplante Ausgaben stark macht, macht es als Notgroschen untauglich. Für Geld, das du sicher erst in einem Jahr brauchst, ist es die bessere Wahl – siehe Festgeld oder Tagesgeld: Wann sich das Festlegen lohnt.
ETF oder Aktien. Der Notgroschen wird typischerweise gebraucht, wenn etwas schiefgeht – Jobverlust, Reparatur, Krankheit. Wirtschaftliche Krisen und fallende Kurse fallen häufiger zusammen, als einem lieb ist. Wer dann verkaufen muss, realisiert den Verlust genau im schlechtesten Moment. Der Notgroschen ist die Voraussetzung dafür, ruhig investieren zu können, nicht selbst eine Geldanlage.
Das Sparbuch. Es fühlt sich nach Sicherheit an, hat aber eine Eigenschaft, die kaum jemand auf dem Schirm hat: Über einen bestimmten Betrag pro Monat hinaus gilt eine Kündigungsfrist von in der Regel drei Monaten. Wer mehr abheben will, zahlt Vorschusszinsen. Dazu kommt eine Verzinsung, die praktisch immer unter der eines Tagesgeldkontos liegt. Verfügbarkeit und Ertrag sind beim Sparbuch also schlechter als beim Tagesgeld, nicht besser – es gibt keinen Grund, den Notgroschen dort zu parken.
Der Dispo als Ersatz. „Ich habe ja den Dispo" ist der teuerste Notgroschen, den es gibt: zweistellige Zinssätze, und im Fall eines Jobverlusts kann die Bank den Rahmen kürzen – ausgerechnet dann. Wer zwischen Notgroschen und Schuldentilgung schwankt, findet die Abwägung in Notgroschen oder Schulden tilgen: Was zuerst?.
Ein Aufteilungsvorschlag zum Abschauen
Nimm deine Zielsumme und teile sie in drei Stufen, geordnet nach Geschwindigkeit:
| Stufe | Anteil | Wo | In der Hand |
|---|---|---|---|
| Sofort | 300–500 € | Bargeld zu Hause | sofort, auch ohne Karte und Strom |
| Schnell | ca. 1 Monatsausgabe | Tagesgeld bei der eigenen Bank | Minuten, per Umbuchung |
| Rest | Rest bis zur Zielsumme | Tagesgeld bei einer Direktbank | 1 Bankarbeitstag |
Der Aufwand dafür ist einmalig: ein Tagesgeldkonto eröffnen, Dauerauftrag auf den Tag nach dem Gehaltseingang legen, Bargeld auffüllen, fertig. Danach passiert das Richtige von allein. Für unterschiedliche Lebenslagen – Single, Paar, Familie – ändert sich nur die Zielsumme, nicht die Aufteilung; die Zahlen dazu stehen in Notgroschen: Wie viel als Single, Paar oder Familie?.
Wie wir es selbst halten
Bei uns liegt der Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto, das absichtlich in der Banking-App nicht auf der Startseite auftaucht. Das klingt nach Spielerei, ist aber der Punkt: Was man jeden Tag sieht, rechnet man unbewusst mit. Der Kontoname lautet nicht „Tagesgeld", sondern „Notfall" – ein unfreiwillig wirksamer Bremsklotz, wenn man versucht ist, sich davon etwas zu leisten.
Der Fehler, den wir gemacht haben: Der Notgroschen lag zwei Jahre lang komplett bei einer Direktbank ohne eigenes Girokonto. Beim ersten echten Bedarf – eine kaputte Waschmaschine an einem Freitagnachmittag – war das Geld am Montag da. Nicht schlimm, aber unnötig. Seitdem liegt ein Teil dort, wo er in zwei Minuten auf dem Girokonto ist.
Häufige Fragen
Wo sollte der Notgroschen liegen?
Der Hauptteil auf einem Tagesgeldkonto, getrennt vom Girokonto. Ein kleiner Teil als Bargeld zu Hause für den Fall, dass Karte oder Technik ausfallen.
Wie viel Notgroschen sollte man zu Hause haben?
Genug für zwei bis drei Tage Grundausgaben, für die meisten Haushalte ein paar Hundert Euro. Mehr erhöht nur das Risiko bei Einbruch oder Feuer, und die Hausratversicherung ersetzt Bargeld nur bis zu einer niedrigen Vertragsgrenze.
Reicht nicht einfach das Girokonto?
Technisch ja, praktisch selten. Der Betrag verschwimmt mit dem Alltagsgeld, und der Kontostand wirkt als Budgetgrenze. Ein getrenntes Konto kostet nichts und wirkt besser als jeder Vorsatz.
Soll der Notgroschen bei meiner Hausbank oder einer Direktbank liegen?
Beides hat einen Grund: Bei der eigenen Bank ist das Geld in Minuten da, bei einer Direktbank meist besser verzinst. Die Aufteilung auf beides löst den Zielkonflikt.
Kann ich den Notgroschen in einen Geldmarkt-ETF legen?
Er schwankt kaum, aber du brauchst einen Verkaufsauftrag, zwei Bankarbeitstage bis zur Gutschrift und zahlst Steuern auf die Erträge. Für den schnell verfügbaren Teil ist das der falsche Weg; für einen großen Rest, an den du nicht sofort musst, ist es vertretbar.
Muss ich die Zinsen auf dem Notgroschen versteuern?
Ja, es sind Kapitalerträge. Bis 1.000 € im Jahr bleiben sie steuerfrei, wenn ein Freistellungsauftrag vorliegt – Details in Wie viel Zinsen sind steuerfrei?
Was, wenn ich mehrere Notfälle gleichzeitig habe?
Dafür ist die Zielsumme da, nicht der Aufbewahrungsort. Drei bis sechs Monatsausgaben decken auch zwei Ereignisse ab, die dicht beieinander liegen. Ist der Topf leer, gilt: erst wieder auffüllen, dann alles andere.