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Notgroschen: Wie viel als Single, Paar oder Familie?

2026-09-16  ·  7 Min. Lesezeit

„Drei bis sechs Monatsausgaben“ – diese Faustregel findest du in jedem Finanzratgeber, und sie ist auch nicht falsch. Nur ist sie keine Zahl, sondern ein Korridor mit dem Faktor zwei. Bei 2.000 € Ausgaben im Monat stehen am einen Ende 6.000 €, am anderen 12.000 €. Wer 300 € im Monat zurücklegt, ist damit entweder in 20 oder in 40 Monaten fertig. Das ist kein Detail, das sind eineinhalb Jahre deines Lebens.

Welche Zahl für dich gilt, hängt an drei Dingen – und keines davon ist dein Gehalt: Wie schnell kann dein Einkommen wegbrechen? Wie viele Menschen leben davon? Und wie teuer sind die Überraschungen, die bei dir realistisch vorkommen? Dieser Artikel rechnet das für die üblichen Lebenssituationen durch. Wie du den Betrag danach aufbaust, steht in Notgroschen: Wie viel Geld du wirklich zur Seite legen solltest; hier geht es allein um die Höhe.

Notgroschen: Wie viel als Single, Paar oder Familie?

Zuerst: Monatsausgaben, nicht Monatsgehalt

Der häufigste Fehler steckt schon in der Fragestellung. Sehr viele Quellen rechnen mit „drei bis sechs Monatsgehältern“. Das ist zu hoch gegriffen, denn im Notfall lebst du nicht von deinem Gehalt, sondern von deinen Ausgaben – und dann meist von den notwendigen.

Beispiel: 2.800 € netto, aber nur 1.900 € tatsächliche Ausgaben. Drei Monatsgehälter wären 8.400 €, drei Monatsausgaben sind 5.700 €. Ein Unterschied von 2.700 €, für die du bei 300 € Sparrate neun Monate länger arbeitest. Und im echten Notfall sinken die Ausgaben zusätzlich: Urlaub, Essen gehen und Kleidung fallen als Erstes weg.

Dafür brauchst du eine belastbare Monatszahl – geschätzt wird sie fast immer zu niedrig, weil Jahreskosten wie Versicherung oder Reparaturen vergessen werden. Wie du in drei Monaten an eine echte Zahl kommst, steht in Haushaltsbuch führen: Kategorien, Aufbau, erste Woche.

Die Kurzfassung für jede Lebenssituation

Alle Angaben in Monatsausgaben, nicht in Gehältern:

Warum die Zahlen so auseinandergehen, erklärt der Rest des Artikels – mit dem Grund kannst du auch einen Fall einordnen, der in keiner Zeile steht.

Student: die kleinste Zahl – und trotzdem unverzichtbar

Ein Monatsfaktor ergibt hier wenig Sinn. Wer 750 € im Monat ausgibt, hätte mit drei Monatsausgaben 2.250 € – eine Summe, die neben dem Studium kaum zusammenkommt. Und das Risiko ist ein anderes: Bafög und Unterhalt brechen selten von heute auf morgen weg, ein Nebenjob schon.

Realistisch sind 1.000 bis 1.500 €. Diese Spanne deckt die drei Dinge ab, die Studierende tatsächlich aus der Bahn werfen: ein kaputter Laptop mitten in der Prüfungszeit, die Kaution für die neue WG und die Nebenkostennachzahlung. Der Zweck ist nicht, Arbeitslosigkeit zu überbrücken, sondern zu verhindern, dass ein Gerät für 900 € auf dem Dispo landet.

Single: der Fall, in dem drei Monate wirklich reichen

Eine unbefristet angestellte Einzelperson ist der Standardfall der Faustregel – und hier ist das untere Ende ausreichend, aus einem Grund, der selten ausgesprochen wird: Ein Single kann seine Ausgaben im Notfall am schnellsten senken. Keine Kita, keine Kinderkleidung, kein zweiter Haushalt, der mitläuft. Wer allein lebt, kann sein Budget binnen eines Monats um 20 bis 30 Prozent drücken.

Dazu kommt: Bei unbefristeter Anstellung greift nach der Kündigungsfrist in aller Regel das Arbeitslosengeld. Der Notgroschen muss also keine drei Monate Totalausfall stemmen, sondern die Lücke und die Differenz. In der Probezeit, bei befristeten Verträgen oder in einer Branche mit Stellenabbau sind vier bis fünf Monatsausgaben die ehrlichere Zahl.

Paar: zwei Einkommen sind der beste Puffer, den es gibt

Hier wird am häufigsten falsch gerechnet – nämlich doppelt. Zwei Personen mit je drei Monatsausgaben brauchen nicht zweimal einen vollen Notgroschen. Wenn ein Einkommen wegfällt, läuft das andere weiter, und die gemeinsamen Fixkosten sind ohnehin nur einmal da. Ein gemeinsamer Topf über drei gemeinsame Monatsausgaben reicht in den allermeisten Fällen.

Zwei Bedingungen gehören dazu. Erstens: Es müssen zwei echte Einkommen sein. Ein Vollzeitgehalt plus Minijob ist rechnerisch ein Einkommen mit Zuschlag – dann gilt die Fünf-bis-sechs-Regel. Zweitens: Beide müssen an das Geld kommen. Ein Notgroschen auf einem Konto, auf das nur eine Person Zugriff hat, ist im Ernstfall genau dann nicht verfügbar, wenn er gebraucht wird. Ein gemeinsames Konto oder zwei gespiegelte Konten lösen das.

Der Sonderfall Elternzeit gehört in dieselbe Rubrik: Sobald ein Einkommen planbar für ein Jahr auf Elterngeld sinkt, ist das kein Notfall, sondern eine bekannte Lücke – die gehört vorher angespart und nicht aus dem Notgroschen bezahlt.

Familie: sechs Monate, und zwar aus zwei Gründen

Familie: sechs Monate, und zwar aus zwei Gründen

Bei Familien ist das obere Ende der Faustregel die richtige Antwort, und der offensichtliche Grund – mehr Menschen, höhere Fixkosten – ist nur der halbe. Der andere: Familien sind unbeweglich. Ein Single zieht bei einem Jobangebot in einer anderen Stadt innerhalb von sechs Wochen um. Mit Schulkind, Kitaplatz und dem Job der zweiten Person dauert genau diese Entscheidung sechs Monate. Der Notgroschen finanziert diese Zeit.

Dazu kommt, dass sich Familienausgaben schlechter zusammenstreichen lassen. Ein Kitaplatz lässt sich nicht für drei Monate pausieren, Kinderschuhe werden weiterhin zu klein. Wo ein Single 30 Prozent einspart, sind es mit zwei Kindern eher 10 bis 15. Rechne also nicht nur mit einem größeren Betrag, sondern auch mit einem härteren Sockel.

Konkret: 3.200 € Ausgaben im Monat ergeben bei sechs Monaten 19.200 €. Diese Zahl schockiert viele – und führt oft dazu, dass gar nicht erst angefangen wird. Besser ist ein Zwischenziel: erst 1.000 €, dann eine Monatsausgabe, dann drei. Schon eine einzige Monatsausgabe auf dem Konto fängt die große Mehrheit der realen Notfälle ab.

Die beiden Ränder: Beamte und Selbstständige

Beamtinnen und Beamte im Bestand haben ein faktisch unkündbares Einkommen, dazu meist Beihilfe im Krankheitsfall. Das größte Risiko – Jobverlust – fällt damit weitgehend weg. Zwei bis drei Monatsausgaben reichen; sie decken Auto, Haushaltsgeräte und Zuzahlungen ab, nicht mehr. Wer hier sechs Monate hortet, parkt Geld, das langfristig besser angelegt wäre.

Selbstständige stehen am anderen Ende: schwankende Einnahmen, Kunden, die zu spät zahlen, und Steuervorauszahlungen, die selten dann kommen, wenn es passt. Sechs bis neun Monatsausgaben sind hier die realistische Spanne. Wichtig ist die Trennung: Rücklagen für Umsatzsteuer und Einkommensteuer gehören auf ein eigenes Konto und sind kein Notgroschen. Wer beides vermischt, hält sich für abgesichert und finanziert in Wahrheit das Finanzamt zwischen.

Wo die Zahl hingehört, wenn sie steht

Die Anlageform ist in jeder Lebenssituation dieselbe, weil der Zweck derselbe ist: sofort verfügbar, schwankungsfrei, getrennt vom Alltagskonto. Ein Tagesgeldkonto erfüllt genau das. Aktuelle Konditionen prüfst du direkt beim Anbieter, die ändern sich laufend; den Unterschied der Kontoarten erklärt Tagesgeld oder Girokonto.

Nicht geeignet sind Festgeld, ein Depot oder irgendetwas mit Kursrisiko. Ein Notgroschen, den du im falschen Moment mit Verlust verkaufen musst, war nie einer.

Wenn die Zahl unerreichbar aussieht

Bei fünf oder sechs Monatsausgaben steht schnell eine fünfstellige Summe im Raum, und der erste Reflex ist Resignation. Dagegen hilft nur Zerlegen: Das erste Ziel sind 1.000 €, das zweite eine Monatsausgabe, erst danach die volle Zahl. Wer in dieser Reihenfolge vorgeht, hat nach wenigen Monaten den größten Teil des Nutzens – nämlich keinen Dispo und keine Ratenzahlung mehr bei kleinen Notfällen.

Den schnellsten Startbetrag findest du meist nicht durch Verzicht, sondern in den Fixkosten: vergessene Abos aufspüren und kündigen bringt bei einer Person häufig 20 bis 40 € im Monat, und zwar dauerhaft. Und falls dein Notgroschen gerade erst aufgebraucht wurde: Das ist kein Rückschlag, sondern sein Job – die Schritte zum Wiederaufbau stehen in Notgroschen aufgebraucht.

Häufige Fragen

Zählt der Dispo als Notgroschen?

Nein. Ein Dispo ist ein Kredit, und er ist einer der teuersten überhaupt. Er hilft bei der Überbrückung von Tagen, nicht von Monaten – und die Bank kann ihn kürzen, gerade wenn das Gehalt ausbleibt. Genau dann brauchst du ihn.

Wie viel Notgroschen sollte man auf dem Tagesgeldkonto haben?

Den gesamten Betrag. Es gibt keinen Grund, den Notgroschen zu splitten – jede Aufteilung erhöht nur die Chance, dass du im Ernstfall an einen Teil nicht schnell herankommst. Was darüber hinausgeht, ist kein Notgroschen mehr, sondern Geld, das eine Aufgabe braucht.

Brauchen wir als Paar zwei getrennte Notgroschen?

Einen gemeinsamen Topf, auf den beide Zugriff haben. Getrennte Töpfe sind nur bei getrennten Haushalten sinnvoll – und wer noch keine gemeinsame Kontostruktur hat, spiegelt den Betrag lieber auf zwei Konten, statt ihn zu verdoppeln.

Ist der Notgroschen bei hoher Inflation nicht sinnlos?

Er verliert real etwas an Wert, ja – das ist der Preis für Verfügbarkeit, und er ist niedrig im Vergleich zum Dispo, den du sonst brauchst. Die Rechnung dazu steht in Lohnt sich Sparen bei Inflation?.

Ab wann ist der Notgroschen zu groß?

Wenn er deutlich über deiner Lebenssituation liegt und du gleichzeitig nichts anlegst. Zwölf Monatsausgaben auf dem Tagesgeld sind bei einem unbefristeten Angestelltenverhältnis keine Sicherheit mehr, sondern Rendite, die liegen bleibt. Sicherheit hat einen Punkt, ab dem sie nichts mehr dazugewinnt.

Muss der Notgroschen mit dem Gehalt mitwachsen?

Mit den Ausgaben, nicht mit dem Gehalt. Wer nach einer Gehaltserhöhung genauso lebt wie vorher, braucht keinen Cent mehr. Wer eine größere Wohnung nimmt, schon – dann steigt der Sockel, den du im Notfall nicht drücken kannst.

Was ist mit Menschen in Rente?

Die Rente fällt nicht aus, das größte Einkommensrisiko entfällt also. Drei Monatsausgaben reichen. Was hier dazugehört, ist eine getrennte Rücklage für Haus, Auto und Gesundheit – die Posten, die im Alter teurer werden, während das Einkommen fest steht.

Die ehrlichste Version der Faustregel lautet deshalb: Drei Monatsausgaben, wenn dein Einkommen sicher ist und du allein entscheidest. Sechs, wenn Menschen von dir abhängen oder dein Einkommen schwankt. Alles dazwischen ist eine Frage, wie schnell du im Ernstfall reagieren kannst – und diese Frage kannst nur du beantworten.

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