Notgroschen: Wie viel Geld du wirklich zur Seite legen solltest
Die meisten Geldsorgen entstehen nicht durch zu wenig Einkommen, sondern durch fehlende Rücklagen im falschen Moment: Die Waschmaschine gibt auf, das Auto braucht neue Bremsen, der Job wackelt. Genau dafür gibt es den Notgroschen – Geld, das nichts anderes tun muss, als da zu sein.
Die Faustregel: drei bis sechs Monatsausgaben

Als Richtwert haben sich drei bis sechs Monatsausgaben bewährt. Wichtig: Es geht um deine Ausgaben, nicht dein Gehalt. Wer 2.500 € netto verdient, aber 1.800 € im Monat ausgibt, rechnet mit 1.800 €.
- Sichere Anstellung, keine Kinder, günstige Miete: 3 Monatsausgaben reichen oft – im Beispiel 5.400 €.
- Selbstständig, Familie, Auto und Eigentum: eher 6 Monatsausgaben – im Beispiel 10.800 €.
- Dazwischen liegt der Rest von uns: 4–5 Monatsausgaben sind ein solider Kompromiss.
Rechne deine Zahl aus – in drei Minuten
Nimm deinen letzten Kontoauszug und addiere alles, was jeden Monat sicher abgeht: Miete inklusive Nebenkosten, Strom, Versicherungen, Handy und Internet, Abos, Fahrtkosten, Lebensmittel. Was du nicht brauchst: Urlaub, Kleidung, Restaurantbesuche – im Ernstfall fällt das ohnehin weg. Diese Summe ist deine Monatsausgabe. Sie liegt bei den meisten Haushalten deutlich unter dem Nettogehalt, und genau das ist der Grund, warum viele ihren Notgroschen zu hoch ansetzen und deshalb nie anfangen.
| Lebenslage | Faktor | Bei 1.800 € Ausgaben | Warum |
|---|---|---|---|
| Unbefristet angestellt, keine Kinder | 3 Monate | 5.400 € | Kündigungsfrist plus Arbeitslosengeld federn ab |
| Angestellt mit Kindern oder Immobilie | 4–5 Monate | 7.200–9.000 € | Mehr Fixkosten, die sich nicht kürzen lassen |
| Befristet oder in der Probezeit | 6 Monate | 10.800 € | Kein Kündigungsschutz, Jobsuche dauert |
| Selbstständig, schwankende Einnahmen | 6–9 Monate | 10.800–16.200 € | Kein Arbeitslosengeld, Auftragslücken |
| Zwei Verdiener, beide unbefristet | 3 Monate gemeinsam | 5.400 € | Ein Ausfall wird vom zweiten Einkommen getragen |
Was es kostet, keinen Notgroschen zu haben
Diese Rechnung fehlt in fast jedem Ratgeber, dabei ist sie das eigentliche Argument. Ohne Rücklage wird die kaputte Waschmaschine über den Dispo bezahlt – oder über eine Ratenzahlung im Elektromarkt. Rechne einmal mit: 800 € im Dispo, bei 12 % Zins über sechs Monate getilgt, kosten dich rund 28 € an Zinsen. Deinen eigenen Dispozins findest du auf dem Kontoauszug oder in der Banking-App; er liegt bei vielen Banken zweistellig.
Dieselben 800 € auf einem Tagesgeldkonto hätten dir im selben halben Jahr bei 2 % Zins etwa 8 € eingebracht. Der Unterschied zwischen beiden Wegen liegt also bei rund 36 € – für eine einzige Anschaffung. Wer zweimal im Jahr in den Dispo rutscht, verliert damit mehr, als die meisten durch Sparen an der Lebensmittelrechnung gewinnen.
Genau hier liegt der Denkfehler beim häufigsten Einwand: „Auf dem Tagesgeldkonto bringt das Geld doch nichts.“ Der Notgroschen ist keine Geldanlage, er ist eine Versicherung gegen teure Notlösungen. Seine Rendite ist der Zins, den du nicht zahlst.
Drei Fehler, die den Notgroschen wieder auffressen
- Er liegt auf dem Girokonto. Was man sieht, gibt man aus. Ein getrenntes Tagesgeldkonto ist keine Formalie, sondern der eigentliche Trick – mehr dazu in unserem Vergleich von Tagesgeld und Girokonto.
- Er wird zum Urlaubskonto. Wer den Notgroschen für Planbares anfasst, hat keinen. Für Urlaub, Auto und Weihnachten gehört ein zweiter Topf her.
- Er wird nie wieder aufgefüllt. Nach jeder Entnahme gehört der Dauerauftrag zurück – sonst ist die Rücklage nach dem zweiten Schadensfall verschwunden.
So baust du ihn auf, ohne dich zu quälen
Niemand legt 5.000 € an einem Wochenende zur Seite. Entscheidend ist ein fester Automatismus: ein Dauerauftrag direkt nach Gehaltseingang, noch bevor du das Geld ausgeben kannst. Schon 150 € im Monat ergeben in drei Jahren über 5.000 € – ganz ohne Rendite.
Ein Trick, der bei vielen funktioniert: Sondergeld sofort umleiten. Steuererstattung, Bonus, verkaufte Möbel – alles, was nicht zum normalen Gehalt gehört, wandert zur Hälfte in den Notgroschen. So wächst er in Sprüngen, ohne dass es im Alltag wehtut.
Wohin mit dem Geld?

Der Notgroschen gehört nicht ins Depot und nicht unters Kopfkissen, sondern auf ein Tagesgeldkonto: täglich verfügbar, getrennt vom Girokonto, und er wirft nebenbei Zinsen ab. Die Trennung ist psychologisch wichtiger als jeder Zinssatz – was du beim täglichen Blick in die Banking-App nicht siehst, gibst du auch nicht aus.
Auf dem Girokonto liegen lassen ist die schlechteste Option: Dort frisst die Inflation still mit, und die Hemmschwelle, es „nur diesmal“ anzutasten, ist niedrig.
Wann du ihn anfasst – und wann nicht
- Ja: kaputte Waschmaschine, Autoreparatur, Nachzahlung, Jobverlust.
- Nein: Urlaub, neues Handy, „einmalige Gelegenheit“ bei einem Investment.
- Nach jedem Griff in den Notgroschen: Dauerauftrag weiterlaufen lassen, bis der alte Stand wieder erreicht ist.
Häufige Fragen
Zählt das Geld auf dem Girokonto zum Notgroschen?
Nur, wenn es dort wirklich unangetastet liegt – und das tut es bei den wenigsten. Der Puffer, mit dem du im Monat Miete und Einkauf zahlst, ist kein Notgroschen, sondern Betriebskapital. Rechne nur das mit, was auf einem getrennten Konto liegt und wofür du eine bewusste Entscheidung treffen müsstest, um es anzufassen.
Muss der Notgroschen voll sein, bevor ich investiere?
Nicht komplett, aber das Zwischenziel sollte stehen. Wer mit leerem Puffer investiert, muss beim nächsten Notfall womöglich Anteile verkaufen – ausgerechnet dann, wenn die Kurse gerade schlecht stehen. Ein Startpuffer von 1.000 bis 2.000 € reicht den meisten, um parallel mit einem kleinen Sparplan zu beginnen.
Wo lagere ich den Notgroschen, damit er nicht an Wert verliert?
Vollständig verhindern lässt sich das bei Inflation nicht – aber ein verzinstes Tagesgeldkonto holt einen Teil zurück und bleibt trotzdem täglich verfügbar. Festgeld ist ungeeignet: Ein Notgroschen, an den du erst in zwölf Monaten kommst, ist im Notfall kein Notgroschen. Wichtig ist außerdem die Einlagensicherung von 100.000 € je Bank und Kunde.
Wie oft sollte ich die Höhe überprüfen?
Einmal im Jahr reicht – und immer dann, wenn sich deine Fixkosten spürbar ändern: Umzug, Gehaltssprung, Nachwuchs, neues Auto. Der Notgroschen hängt an deinen Ausgaben, nicht an deinem Einkommen. Wer nach einem Umzug 300 € mehr Miete zahlt, braucht bei drei Monatsausgaben rund 900 € mehr Puffer.
Brauchen Paare doppelt so viel wie Alleinstehende?
Nein. Maßgeblich sind die gemeinsamen Monatsausgaben, nicht die Zahl der Personen. Zwei Menschen in einem Haushalt haben zusammen meist deutlich weniger als doppelt so hohe Fixkosten wie einer allein. Umgekehrt gilt: Hängen beide Einkommen am selben Arbeitgeber oder derselben Branche, fällt im Ernstfall beides gleichzeitig weg – dann lieber am oberen Rand planen.
Wie wirkt sich ein Dispo auf die Höhe aus?
Ein eingeräumter Dispo ist kein Ersatz für einen Notgroschen, sondern der teuerste Kredit, den die meisten haben. Rechne ihn deshalb nicht als Puffer mit. Wer regelmäßig im Dispo landet, sollte zuerst dort herauskommen und erst danach die volle Höhe des Notgroschens anpeilen.
Was ist mit Menschen in unbefristeter Anstellung im öffentlichen Dienst?
Wer sehr sicher beschäftigt ist, kommt eher mit drei Monatsausgaben aus als mit sechs. Das gilt aber nur für das Einkommensrisiko – eine kaputte Heizung, ein Umzug oder eine Zahnbehandlung treffen jeden gleich. Wer zur Miete wohnt und kein Auto hat, darf am unteren Rand planen; mit Eigentum, Auto und Kindern steigt der Bedarf unabhängig von der Jobsicherheit.
Der Notgroschen ist kein totes Geld. Er ist der Grund, warum du bei der nächsten Überraschung ruhig bleibst – und warum dein langfristig angelegtes Geld in Ruhe weiterarbeiten darf, statt im dümmsten Moment verkauft zu werden.